Im Gras liegende Frau

Allergische Reaktion: Warum sind Nase und Augen betroffen?

Heuschnupfen führt nicht nur zu einer laufenden Nase (inkl. Verstopfung, Niesen und Jucken), sondern häufig auch zu juckenden, tränenden oder geröteten Augen.

Allergische Reaktion: Warum sind Nase und Augen betroffen?

Was macht eigentlich meine Nase?

Trotz aller äußerlichen Unterschiede – trotz Haken-Nase, Stups-Nase, breiter oder schmaler Nase: der innere Aufbau und die Funktion sind immer gleich. Als multifunktionelles Organ ist die Nase zuständig für das Riechen und für die Aufbereitung der Atemluft.

Die Nase dient der Klimatisierung (Befeuchtung, Erwärmung bzw. Abkühlung) und Reinigung der Atemluft und dem Riechvermögen. Hierzu wird die Nase eines erwachsenen Menschen täglich durchschnittlich von ca. 15 bis 20.000 Litern Atemluft durchströmt. Sie wird somit einer großen Menge von potentiell schädlichen Gasen, Feinstaub-Partikeln und eben auch Pollen und anderen Allergenen ausgesetzt und stellt hierdurch eine wichtige Grenzfläche des Organismus zur Umwelt dar.

Die Nasenschleimhaut muss daher über ein effektives Selbstreinigungs- und Abwehrsystem verfügen. Dies umso mehr, als sie durch ihre Filterfunktion für die Atemluft auf eine Ablagerung dieser Materialien ausgerichtet ist. Dieser Mechanismus funktioniert bei einer gesunden Nase ausgezeichnet. So konnte gezeigt werden, dass bei Nasenatmung mehr als 99% aller Pollen in der Nase herausgefiltert werden und überhaupt nicht in die Lunge gelangen.
Ebenso werden wasserlösliche Gase (Formaldehyd, Ozon, SO2) zu 99% in der Nase ausgefiltert.

Die Welt der Düfte

Die Wahrnehmung von Gerüchen erfolgt in der oberen Nasenhöhle. Hier sitzen in der Riechschleimhaut die Riechzellen. Der Mensch besitzt fünf bis zehn Millionen Stück – unterteilt in etwa 420 verschiedene Typen von Riechzellen. Jeder Riechzelltyp ist spezialisiert auf bestimmte Duftkomponenten.

Da sich ein Duft meistens aus verschiedenen Komponenten zusammensetzt, werden die jeweils spezifischen Riechzelltypen aktiviert. Diese senden daraufhin ein Signal ans Gehirn. Die restlichen Riechzellen bleiben inaktiv. Da jeder Duft eine andere Kombination von Riechzelltypen aktiviert, vermag der Mensch etwa 10.000 verschiedene Gerüche zu unterscheiden. Auf Gerüche reagiert der Mensch unmittelbar und sehr empfindlich – nicht zuletzt entscheidet der Geruchssinn über Sympathie oder Antipathie.

Die Nase besitzt eine Selbstreinigungsfunktion

Für die Reinigungsfunktion sind die auf der Nasenschleimhaut befindlichen Flimmerhärchen verantwortlich. Die Atemwege sind von der Nase bis zu den Bronchien mit diesen speziellen Schleimhäuten ausgekleidet. Diese feinen Härchen schlagen etwa 10 bis 20-mal in der Sekunde wie kleine Peitschen rhythmisch von vorn nach hinten. Die Schleimschicht wird so in Richtung Rachen transportiert und landet nach dem Schlucken im Magen. So werden Staubteilchen und Bakterien aufgefangen und abtransportiert.

Die Erwärmung der Atemluft erfolgt durch die vielen mikroskopisch kleinen Blutgefäße, die als dichtes Netz in die Nasenschleimhaut eingebettet sind. Durch Nervenimpulse wird die Menge des durchströmenden Blutes gesteuert: bei kalter Luft mehr und bei warmer Luft weniger. Das Sekret feuchtet die Atemluft an.

Intakte Nasenschleimhaut wichtig für die Funktion der Nase

Nur eine intakte Nasenschleimhaut vermag diese wichtigen Funktionen zu erfüllen. Doch die empfindliche Nasenschleimhaut ist vielfältigen äußeren Einflüssen ausgesetzt, die das sensible Funktionssystem aus dem Gleichgewicht bringen können. Trockene Luft wie in klimatisierten oder überheizten Räumen, unterwegs im Auto und auf Flugreisen ist für die Nasenschleimhaut schädlich.

Sie kann austrocknen und in der Folge ihre wichtigen Aufgaben nicht mehr ausreichend erfüllen. Es kommt zu Niesreiz, Jucken und Brennen; die Nasenatmung wird behindert und es entsteht das Gefühl einer verstopften Nase. Darüber hinaus führen trockene Nasenschleimhäute zu einer erhöhten Anfälligkeit für Atemwegsinfektionen, weil die Atemluft nicht mehr optimal gefiltert, erwärmt und angefeuchtet werden kann. Die entzündlichen Erkrankungen der Nasenschleimhäute gehören zu den häufigsten Erkrankungen des Menschen überhaupt.

Warum sind auch die Augen betroffen?

Neben der Nasenschleimhaut sind die Bindehäute der Augen die von Allergien am häufigsten betroffenen Schleimhäute. Etwa 70-90% aller Heuschnupfen-Patienten leiden auch unter juckenden und tränenden Augen. Lange Zeit ging man davon aus, dass dies allein durch ein Eindringen von Pollen in die Augen ausgelöst wird. Neue Forschungsergebnisse haben aber gezeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem allergischen Geschehen in der Nase und dem Auge gibt. Heute geht man davon aus, dass durch die Entzündung der Nasenschleimhaut die Symptome der Augen (Jucken, Tränen, Rötungen) über einen Nervenreflex (so genannter nasal-konjunktivaler Reflex) ausgelöst werden.

Was passiert bei Allergien in der Nase?

Hasel- und Birkenpollen gehören zu den häufigsten Auslösern einer Pollenallergie.

Gräser-, Birken-, Erlen-, Hasel- und Kräuterpollen sind die häufigsten Auslöser einer Pollenallergie. Auf der feuchten Schleimhaut lösen sich Eiweiße (Proteine) aus den Pollen, die in die Schleimhaut eindringen. Dies bleibt bei Gesunden ohne Folgen.
Bei Allergikern setzt dagegen eine spezialisierte Zelle (Mastzelle) in der Schleimhaut Botenstoffe frei. Spezielle Antikörper (IgE) auf den Mastzellen erkenne das Allergen und reagieren. Vor allem Histamin wird freigesetzt, das sofort Augen- und Nasenbrennen, Niesreiz und Nasenlaufen auslöst. Weitere Botenstoffe verursachen eine nach Stunden auftretende Entzündung der Schleimhaut: Nase und Augen bleiben einige Tage überempfindlich, zum Beispiel gegen Rauch und trockene oder kalte Luft.

Augensymptomatik


Bild-Quelle: shutterstock.com, © iofoto / © GlaxoSmithKline

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